Lake Waikaremoana Great Walk

Es ist Dienstag Abend und wir liegen im Auto auf einem freien Campingplatz direkt am Strand von Napier im Osten der Nordinsel. Im Hintergrund rauschen die brechenden Wellen. Von Donnerstag bis Sonntag waren wir auf dem Great Walk am Lake Waikaremoana unterwegs: Eine 46km Wanderung um den größten Teil des Sees, ohne jeglichen Kontakt zur Zivilisation. Alles was man für die vier Tage benötigt muss man auch selbst tragen, doch fangen wir am Anfang an.

Am Dienstag haben Jens und ich uns mit Christina, die auch Teil unserer anfänglichen Fünfergruppe war in einem kleinen Dorf inmitten der Nordinsel getroffen um dann zu dritt mit zwei Autos weiter zu reisen. Relativ spontan haben wir uns dann am Mittwoch dafür entschieden, den Great Walk anzugehen, solange das Wetter noch gut ist. Gesagt, getan: Da wir leider schon in einem sehr abgelegenen Ort waren, wo es keine großartigen Einkaufsmöglichkeiten gab, mussten wir für unsere Vorbereitung nochmals etwa 60km zurück nach Rotorua fahren, um dort alles Nötige für den Trip einzukaufen: Nudeln, Wasser, Haferflocken, Milchpulver, Äpfel, Müsliriegel und Kekse waren die Grundausstattung. Anschließend sind wir zurück und weiter Richtung Süden zum Lake Waikaremoana gefahren, um dort am Donnerstag vormittag direkt den Great Walk starten zu können. Unsere Rucksäcke waren voll und schwer, denn neben den genannten Einkäufen mussten wir natürlich auch Wechselklamotten für die Nacht (und für Notfälle), ein zweites Paar Schuhe, einen Gaskocher mit zwei Kartuschen, einen Topf, Besteck, Schüsseln, Schlafsäcke, Klopapier und einiges mehr mitnehmen.

Wir starteten also Donnerstag früh und fuhren mit beiden Autos zum Ende des Weges um dort ein Auto abzustellen und mit dem anderen Auto zum Start zu fahren, von wo aus wir um 10:30 Uhr unsere erste Etappe zur Panekire Hut auf 1185 Höhenmetern begannen. Das heißt: 9km und 600 Höhenmeter mit jeweils etwa 15kg Gepäck auf dem Rücken. Etwa 4:30h haben wir für die Strecke benötigt, was so gesehen sehr entspannt klingt, uns aber alle Kraft gekostet hat. Umso glücklicher waren wir schließlich, als wir die Hütte durch die Bäume blitzen sahen. Die Hütten sind sehr einfach gehalten: Es gibt meistens etwa 30-40 Liegeplätze mit Matratzen in 1-2 Schlafräumen sowie einen kleinen Aufenthaltsraum mit kleinem Holzofen und Regenwasser aus der Leitung. Außer uns waren noch zwei weitere Dreiergruppen unterwegs, mit denen wir die Hütten geteilt haben, sodass es nicht zu voll war. Als schließlich auch das Feuer im kleinen Ofen brannte, konnten wir uns etwas aufwärmen und unsere Nudeln mit Ketchup (ist etwas Platz und Gewicht sparender als Tomatensoße, weil man weniger benötigt) zu uns nehmen und uns anschließend tief in unsere Schlafsäcke gerollt zur Ruhe legen konnten.

Ankunft an der Panekire Hut auf 1185 Höhenmetern

Die Etappe am Freitag führte zur Waiopaoa Hut über 8km wieder 600 Höhenmeter abwärts, was zwar auch recht anstrengend ist, uns aber anstatt der angegebenen 4:00h gerade mal 2:20h gekostet hat. Die Hütte lag direkt am See und war deutlich schöner als die Panekire Hut. Der größere Ofen erlaubte es uns, den Gemeinschaftsraum auf wohlige 25°C zu heizen, was auch meiner Erkältung, die im Moment abklingt, zu Gute kam. Da wir alle sehr schlapp waren, bestand der Nachmittag darin Wasser zu kochen (das Regenwasser aus den Leitungen kann meistens problemlos getrunken werden, es wird aber empfohlen es abzukochen oder Reinigungstabletten zu verwenden), Holz zu hacken und die Füße hoch zu legen.

Panorama von Lake Waikaremoana

Unser dritter Tag führte uns mit einem Abstecher zu den Korokoro Falls über etwa 14km und 5h zu unserer letzten Hütte, der Marauiti Hut. Leider hat es an diesem Nachmittag angefangen leicht zu regnen, sodass wir unserer Rucksäcke einpacken und Regenkleidung anziehen mussten. Doch damit haben wir noch das bessere Los gezogen: Wir kamen als erste der drei Gruppen bei der Hütte an und haben von der zweiten Gruppe, die etwa eine Stunde später eintraf, erfahren, dass sich einer der übrigen drei Wanderer den Knöchel zu verstauchen (oder etwas ähnliches, es war jedenfalls extrem angeschwollen). Erst weitere zwei Stunden später, gegen 19:50 Uhr (es wurde etwa gegen 17:30 Uhr dunkel) kamen die anderen drei an der Hütte an. Wir waren sehr erstaunt, da wir angenommen hatten, dass sie sich wo anders auf der Strecke Schutz gesucht hatten, aber sie hatten sich offenbar mit zwei Stöcken als Krücken durchgekämpft.

Am nächsten Morgen blieben der Verletzte sowie ein weiterer seiner Gruppe in der Hütte zurück, um auf ein Boot zu warten. Glücklicherweise hatte er sich nicht bereits am ersten Tag verletzt: eine Abholung an der Panekire Hut wäre nur mit dem Helikopter möglich gewesen. Die restlichen Wanderer zogen los, um die letzte Etappe zum Wassertaxi beziehungsweise zur Hängebrücke am Ende des Tracks zu meistern. Wir waren sehr froh, als wir die letzte Brücke überquert unser abgestelltes Auto wieder gesehen haben. Der Great Walk hat sich auf jeden Fall gelohnt (auch wenn er mit $32 pro Person und Hütte nicht ganz günstig ist) und wir sind froh, dass wir es ohne größere Probleme geschafft haben.

Erleichterung auf der letzten Hängebrücke des Lake Waikaremoana Great Walk