Südinsel

Seit meinem letzten Post aus dem Mount Cook Nationalpark ist einige Zeit vergangen. Nach unserem zweiwöchigen Aufenthalt im Hostel in Mount Cook Village sind wir am 10. Oktober zu einer Dairy Farm (Milch-Farm) an die Ostküste nach Oamaru gefahren. Auf der Farm waren etwa 500 Kühe, die täglich zwei mal – morgens um 5 Uhr und nachmittags um 14:30 Uhr – gemolken werden. Dabei sind immer zwei Personen für mehrere Stunden beschäftigt. Christina und ich waren beim Melken nicht beteiligt, durften aber helfen die zahlreichen Kälber (jede Kuh bekommt jedes Jahr ein Kalb) zu füttern und zu wiegen. Unsere restliche Arbeit bestand oft darin auf die beiden Kinder aufzupassen oder einige Gartenarbeit zu machen und im Haus zu putzen. Nach 8 Tagen haben wir uns schließlich wieder verabschiedet um über Invercargill, der südlichsten (etwas größeren) Stadt Neuseelands in den Fiordland Nationalpark zu fahren.

Der Fiordland Nationalpark liegt im Südwesten der Südinsel und ist vor allem durch den Milford Sound (der genau genommen eigentlich kein Sound, sondern ein Fiord ist) international bekannt. Unser Plan war es eigentlich im Nationalpark einige Nächte auf kostenlosen Campingplätzen zu verbringen, doch diese lagen hinter über 10 Kilometer langen, sehr groben Schotterstraßen, die wir unserem Auto (ein Honda Odyssey Baujahr 1996) nicht mehr zumuten wollten. Als wir schließlich im Milford Sound, der am Ende einer etwa 80km langen Sackgasse in den Nationalpark liegt, angelangt waren, waren wir von der Landschaft sehr beeindruckt. Die Straße führte durch ein unglaublich tiefes Tal und durch einen Tunnel mit extremem Gefälle, der auch nur einspurig befahrbar war und einfach so in den Fels gemeißelt erschien. Leider — so dumm das im ersten Moment scheint – war das Wetter recht gut. Wenn kein Regen fällt gibt es im Milford Sound nur drei Wasserfälle. Bei Niederschlag hingegen entstehen tausende von Wasserfällen überall entlang der Felswände und der Milford Sound entfaltet seine ganze Schönheit. Dennoch haben wir eine mehrstündige Bootstour durch den Fiord gemacht und konnten die Unterwasserwelt aus einer Beobachtungsstation betrachten, die 10 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. In Milford haben wir auch unsere teuerste Nacht auf einem Campingplatz verbracht: ganze 27 Dollar (knapp 18 Euro) haben wir pro Person bezahlt. Leider war dies aber auch der einzige Campingplatz dort, sodass wir keine Wahl hatten. Am nächsten Tag haben wir auf dem Rückweg aus dem Nationalpark noch zwei dreistündige Wanderungen gemacht, zu Lake Marian (Titelbild) und zum Key Summit.

Wasserfall im Milford Sound Wasserfall im Milford Sound

Nachdem wir den Fiordland Nationalpark wieder verlassen hatten, sind wir über Queenstown wieder vorbei an den Gletschern nach Hokitika an der Westküste gefahren, da wir dort einen Rundflug über die Südalpen gebucht hatten. Mit einer kleinen Cessna hat uns der Pilot Ben in seinem einstündigen Flug von Hokitika über die Gletscher zu Mount Cook und zurück geflogen — und ich durfte sogar neben ihm im Cockpit Platz nehmen. Der Flug war nicht gerade günstig, aber er hat sich auf jeden Fall gelohnt, da wir die Alpen und Gletscher zuvor nur vom Boden aus gesehen hatten. Und gerade von den Gletschern ist aus den Tälern nicht mehr viel zu erkennen.

Mount Tasman in den Südalpen Neuseelands Mount Tasman (3498m)
zweithöchster Berg Neuseelands

Gletscher in den Südalpen aus der Luft

In den darauf folgenden Tagen haben wir unsere Reise über den Arthurs Pass, an dem ich bereits vor einigen Monaten alleine war, nach Christchurch fortgesetzt. Christchurch liegt an der Ostküste und wurde vor wenigen Jahren von einem Erdbeben beinahe komplett zerstört, weshalb große Teile der Stadt immer noch eine einzige Baustelle sind. In wenigen Jahren muss die Innenstadt jedoch sehr modern sein, da viele Dinge von Grund auf neu geplant werden konnten und man sich kaum an alte Strukturen halten musste. Natürlich gibt es auch noch einige alte Kirchen und denkmalgeschützte Gebäude, die das Erdbeben überstanden haben oder restauriert wurden, die einen sehr schönen Kontrast darstellen.

Auf unserem weiteren Weg nach Picton, wo wir schließlich mit der Fähre wieder auf die Nordinsel übergesetzt haben, sind wir noch durch Kaikoura gekommen, wo es zahlreiche Robben gibt, die sich einfach vor einem auf dem hölzernen Fußweg legen und schlafen. Bevor wir uns auf die Fähre begeben haben waren wir dann noch etwas in den Marlborough Sounds unterwegs, wo wir einige kleinere Wanderungen und Spaziergänge gemacht haben.

Interislander Fähre in den Marlborough Sounds

Inzwischen sind wir auf der Nordinsel in Hawera und auf dem Weg zu Mount Taranaki, bevor wir Mitte des Monats noch einen Great Walk — das Tongariro Alpine Crossing — machen werden und anschließend über Taupo zurück nach Auckland fahren werden, wo unsere Reise enden wird.