Tongariro Northern Circuit

Nachdem wir den Start unseres letzten Great Walks aufgrund schlechten Wetters am Mittwoch verschieben mussten, sind wir am Freitag schließlich aufgebrochen. Über vier Tage wollten wir den Tongariro Northern Circuit wandern, der durch eine Vulkanlandschaft rund um Mount Ngauruhoe (besser bekannt als Mount Doom bzw. Schicksalsberg aus Der Herr der Ringe) führt. Der gesamte Nationalpark ist vom Vulkanismus geprägt und einige Vulkane dort sind auch noch aktiv. Die letzte Eruption war 2012 durch Mount Tongariro. Mount Ngauruhoe ist seit 1900 45 mal ausgebrochen (das letzte mal 1974) und ist schon lange überfällig.

Wir starteten unseren ersten Tag in Whakapapa Village am Freitag gegen 10:40 Uhr bei schönem, aber sehr schnell wechselndem Wetter (innerhalb von nur 15 Minuten gab es Sonnenschein, Schnee, Schneeregen und wieder Sonnenschein). Der Weg führte uns durch eine weite Gras- und Buschlandschaft nach Nordosten in Richtung Mangatepopo Hut. Da der Weg ausschließlich für den Great Walk vorgesehen ist, welcher im Vergleich zu den anderen Walks im Tongariro Nationalpark nur wenig bzw. von gut ausgerüsteten Wanderern genutzt wird, war er nicht befestigt und bestand teilweise auch nur aus einem matschigen Wassergraben. Nach etwa drei Stunden haben wir unser erstes Ziel, die Mangatepopo Hut erreicht. Da die Wettervorhersage für Samstag nicht besonders gut aussah, haben wir uns nach einer kurzen Pause dafür entschieden, schon einen Teil der Strecke des nächsten Tages, dem Tongariro Alpine Crossing, zu gehen. Wir haben uns also nochmals drei Stunden auf den Weg zum South Crater und zurück gemacht und sind schließlich in der kleinen Hütte zur Ruhe gekommen.

Mangatepopo Hut

Die Etappe am Samstag war das Tongariro Alpine Crossing, das heißt die Überquerung des Alpinen Passes bei etwa 2000 Höhenmetern. Wir hatten uns bereits darauf eingestellt, dass das Wetter nicht sehr gut sein würde, doch es war noch deutlich schlechter als erwartet: Starker Nebel mit einer Sichtweite zwischen 10 und 50 Metern füllte das Tal. Die vorhergesagten Windgeschwindigkeiten auf dem Pass lagen bei 80km/h. Der Ranger, der auf der Hütte stationiert war, war jedoch zuversichtlich, dass das Crossing möglich ist. Somit haben wir uns, nachdem wir uns und unsere Rucksäcke vollkommen Wetterfest eingepackt hatten, gegen 08:30 Uhr auf den Weg zum Pass gemacht. Wie wir nach einiger Zeit feststellen mussten, war nicht nur das Tal vom Nebel betroffen, sondern der ganze Nationalpark bis über den Pass hinaus. Bis zum South Crater ist der Weg recht gut ausgebaut, doch in den Höhenlagen mussten wir von einer Wegmarkierung zur nächsten navigieren, und selbst diese waren manchmal nur schwer zu sehen. Dazu kam in den Höhenlagen ein rauher und kalter Wind mit sehr starken Böen, die uns hin und wieder fast auf den Boden oder vom Weg warfen. Der höchste Bereich des Crossings führt über einen Bergkamm aus Schotter und Geröll und war recht instabil. Wie weit es links und rechts neben dem etwa drei Meter breiten Kamm hinunter ging, konnten wir nur erahnen, da wir aufgrund des Nebels nichts sahen. Als wir den höchsten Punkt überquert hatten, lies der Wind schnell nach, da wir uns dann im Windschatten des Berges befanden – kalt, neblig und nass war es dennoch. Christina hatte bei einer Böe den Regenschutz ihres Rucksacks verloren, der sehr schnell im weißen Nichts des Nebels verschwand. Trotz regenfester Kleidung waren wir alle größtenteils durchnässt und jeder Schritt blubberte im Schuh. Bei den Emerald Lakes hinter dem Pass waren es noch etwa 4,5km, die uns von unserem Tagesziel, der Oturere Hut, trennten. Die Strecke führte durch eine extrem faszinierende und fast schon außerirdische Steinwüste und fühlte sich deutlich länger an, als sie eigentlich war. Glücklicherweise waren wir um 13:00 Uhr die Ersten, die in der Hütte angekommen sind und konnten uns erst einmal breit machen und all unsere nasse Kleidung am Gasofen trocknen. Gegend Abend haben wir vom Ranger erfahren, dass die Windgeschwindigkeit auf dem Pass bis zu 150km/h betragen hatte.

Nebel auf dem Tongariro Northern Circuit

Nebel auf dem Tongariro Northern Circuit

Man beachte den Weg im linken Viertel des Bildes

Nebel auf dem Tongariro Northern Circuit

Oturere Hut

Aufgrund der schlechten Sicht und atemberaubenden Landschaft am Samstag, haben wir uns am Sonntag um 9 Uhr gemeinsam mit zwei anderen Wanderern nochmals auf den Weg zurück zu den Emerald Lakes gemacht. Das Wetter war wieder deutlich besser und lediglich auf Höhe der Lakes zog hin und wieder eine Nebelschwade vorbei. Gegen 12:30 Uhr waren wir wieder zurück an der Hütte und haben uns bis 14:00 Uhr eine Pause gegönnt, bevor wir den relativ kurzen Weg zur Waihohonu Hut antraten. Die Landschaft war wieder sehr verschieden zu den vorherigen Tagen: Es waren hauptsächlich kleinere Täler und sandige Hügel, die wir überschreiten mussten und nach nur etwa zweieinhalb Stunden hatten wir die Hütte erreicht. Die Waihohonu Hut wurde vor nur sechs Jahren neu gebaut und ist sehr groß und modern. Vom Aufenthaltsraum aus hat man durch große Fenster einen fantastischen Blick auf Mount Ngauruhoe.

Mount Ngauruhoe von Waihohonu Hut

Die letzte Etappe am Montag war mit etwas über 16km wieder etwas länger. Wir sind um 08:20 Uhr bei bestem Wetter losgelaufen. Unseren Regenschutz konnten wir wegpacken, es war Sonnencreme und Kopfbedeckung angesagt. Es war wieder eine weite Gras- und Buschlandschaft, die uns durch mehrere Täler zurück nach Whakapapa Village geführt hat, wo wir uns erleichtert erst einmal im Auto zurücklehnen und ein paar Kekse essen konnten.

Trotz (oder vielleicht auch gerade wegen) des schlechten Wetters am Samstag war der Tongariro Northern Circuit ein wirklich eindrucksvolles Erlebnis und hat viel Spaß gemacht.